[Rezension] Bedrängnis || Isabel Aigen

August 07, 2015 0 Comments A+ a-



Der Hype um die junge Schauspielerin Shanice ist schwindelerregend. Doch dann toppt ein Fan alles bisher Dagewesene und bringt ihr menschliche Opfer! Ist er noch aufzuhalten?

Seitdem der Erfolg Shanice verfolgt, führt sich ihre Umgebung seltsam auf: Von kreischenden Fans hat die junge Schauspielerin langsam genug. Sie fühlt sich wie ein Alien in einer Welt von Verrückten. Doch der Wahnsinn um sie kann noch überboten werden: Eines Tages taucht ein Fan auf und bringt ihr Menschen zum Opfer. Kann das sein? Shanice kann es nicht glauben und fragt sich, ob sie langsam beginnt, durchzudrehen. Hält sie sich schon selber für eine Diva, für die jedermann töten würde?

Doch was mit einer Leiche auf der weihnachtlichen Terrasse ihrer Eltern beginnt, setzt sich auch in Amsterdam fort. Als die Bedrängnis auch den Umzug der Dreharbeiten nach Venedig überlebt, muss Shanice sich endlich eingestehen: Es ist wahr. Wer ist der Täter? Wer schreibt ihm das Drehbuch?
Worauf will er hinaus? Kann sie ihn noch aufhalten?

Vorab erst einmal vielen Dank an Isabel Aigen, die mir ihr neues Buch zur Verfügung gestellt hat. Da ich schon lange keinen Thriller mehr gelesen habe und die letzen Wochen recht "blutarm" waren, kam mir dieser hier gerade recht.

Das Buch dreht sich um die junge Schauspielerin Shanice, die der aufstrebende Star am Filmhimmel ist und vor gut einem Jahr ihren Durchbruch hatte. In ihrem Weihnachtsurlaub kommt es in ihrer Heimat, einer Provinz in den USA, zu zwei Zwischenfällen, die den weiteren Ablauf der aktuellen Dreharbeiten zu einem Horrorfilm immens stören. Es scheint, als hätte Shanice einen wahnsinnigen Fan, der ihr Menschenopfer darbringt, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen.

Angesetzte Dreharbeiten in Amsterdam werden abgebrochen und kurzerhand nach Venedig verlegt. Ich frage mich, ob das überhaupt so einfach ist, auf die schnelle einen Drehort zu verlegen. Der Grund des "Umzugs" ist mir auch unerklärlich geblieben.

Ansonsten ist an der Grundidee nichts auszusetzen.

Kommen wir nun zu unserer Protagonisten Shanice. Ich weiß nicht, ob sie einfach nur naiv ist, oder total eingebildet. Die Autorin ist sich meiner Meinung nach da auch nicht so sicher, denn einmal wird sie als junge Schauspielerin dargestellt, die sich ihren Weg noch erkämpfen muss, ein anderes Mal kommt sie wie die Diva persönlich daher. Um euch mal einen Eindruck zu verschaffen, hier zwei Zitate von ihr:


"Gab es eigentlich irgend wen, der sich nicht brennend für sie interessierte?"

"Oder waren die Straßen um den Tatort, den Auffindort, so voll gewesen, weil ihre Fans und Paparazzi sie am Ende doch noch gefunden hatten?"


Sie rechnet bei all ihren Handlungen damit, dass sie sofort im Internet verbreitet werden. Sie erwartet Paparazzi und Fans vor ihrem Hotel in Amsterdam, was ja nicht so ungewöhnlich wäre. Doch wo stehen sie am Ende? Hinter dem Hotel vor ihrem Zimmerfenster. Woher ist denn bekannt, in welchem Zimmer sie wohnt? Und ist es nicht logischer, vor dem Hotel zu warten, wo sie auch "erwischt" werden kann, als vor ihrem, im ersten Stock liegenden, Zimmer auszuharren?

Ihre Filmpartnerin Bella Mey wird sehr häufig als Shanices beste Freundin bezeichnet. Das Verhalten der beiden Frauen entspricht aber so gar nicht dem bester Freundinnen. Warum kann sie nicht einfach nur eine Kollegin sein?

In den Handlungen der Personen gibt es immer wieder Logikfehler, die den Verlauf der Geschichte stören. Auch sind die Charaktere sehr oberflächlich, selbst von der Protagonistin weiß man nicht wirklich viel. Handlungsstränge werden angerissen, dann aber nicht weiter fortgeführt. Shanice fühlt sich ständig wie ein Alien in der Schauspielbranche. Wenn sie mit dem Ruhm um ihre Person nicht umgehen kann und will, sollte sie mal überlegen, ob die Schauspielerei das richtige für sie ist.

Das Cover des Buches passt von den Farben her schon zu einem Thriller. Die abgebildete Brücke wird auch im Buch erwähnt. Brücken sind allgemein ein immer wiederkehrendes Element von Isabel Aigen und haben auch großen Einfluss auf den Verlauf der Geschichte.

Der Titel erschließt sich mir nicht so ganz. Ich hatte kaum das Gefühl, dass Shanice persönlich in Bedrängnis ist. Abgesehen von ein paar Kommentaren im Internet wird sie nie direkt angegriffen oder bedrängt.

Wir haben hier einen guten Ansatz für eine spannende Story. Stalking ist ein gutes Thema für ein Buch, und in Bezug auf die Filmbranche sicher nicht unüblich. Der Spannungsbogen ist gut ausgearbeitet und hält sich bis zum Schluss. Leider wurde mir die Geschichte durch die wirklich schlecht ausgearbeiteten Charaktere und die teilweise unlogischen Handlungsverläufe vermiest.