[Rezension] (W)Ehe du gehst || Jannes C. Cramer



Kira leidet unter der übertriebenen Eifersucht, dem Jähzorn und den zunehmenden Handgreiflichkeiten ihres Mannes. Als sie mit der Hilfe ihrer besten Freundin Juliane versucht, aus der Ehe mit Jonas zu fliehen, bringt sie nicht nur sich selbst in Lebensgefahr. Sie ahnt nicht, dass er vor nichts zurückschreckt, um sie zu finden und wieder in seine Gewalt zu bringen.

Da ich schon länger keinen Thriller mehr in der Hand hatte, habe ich mich umso mehr gefreut, endlich mal wieder einen zu lesen. Ein großes „Danke“ an Jannes C. Cramer für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. 

Ohne große Umschweife wirft der Autor den Leser sofort mitten in das Geschehen. Und das ist auch gut so. So wird auch gleich klar, dass das Thema „Gewalt in der Ehe“, welches Cramer in seinem Buch behandelt, wirklich nicht ohne ist. Unser Protagonist Jonas zergeht vor Eifersucht, erniedrigt und unterdrückt seine Frau und schreckt auch vor weiteren Gewalttaten nicht zurück, nur um seinen Willen durchzusetzen. Schnell wird dem Leser bewusst, dass Jonas‘ Handlung nicht nur reine Fiktion ist, sondern leider in (zu) vielen Haushalten an der Tagesordnung steht. Als Leser leidet man mit Kira und Juliane mit, hofft, bangt, verzweifelt. Cramer schafft es, den Leser trotz des dramatischen Plots an das Buch zu fesseln, beschreibt ausführlich, realistisch und sehr bildhaft, sodass man meint, man steht direkt neben einem der Charaktere. 
Unglaublich, wozu ein Mensch fähig ist, wenn man ihm auf den Schlips tritt und nicht nach seiner Pfeife tanzt. Ich möchte mir das gar nicht vorstellen. Schon gar nicht, dass solche Menschen vielleicht irgendwo in meinem Umfeld zu finden sind. 

Die Charaktere sind alle sehr gut ausgearbeitet. Kira, die verängstigte, leicht naive, geschlagene Ehefrau, an ihrer Seite die toughe Freundin Juliane. Eine Freundschaft wie Feuer und Wasser. Jonas, der gewalttätige Ehemann, der selbst vor illegalen Handlungen nicht zurückschreckt um seine Frau zu finden und zu „beherrschen“. 
Auch das Ermittler-Team ist realistisch dargestellt. Die Kommissare sind leicht überarbeitet und stehen vor einem Rätsel, was die Ermittlungen betrifft. Familienprobleme aufgrund des Berufes stehen an der Tagesordnung. 
Die Überraschung war wohl Privatdetektiv Bender, bei dem nichts so ist, wie es scheint. 

Jannes C. Cramer hat mit seinem Thriller "(W)Ehe du gehst" ein sehr heikles Thema angeschnitten, welches in unserer Gesellschaft meist totgeschwiegen wird. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass Betroffene sich nicht trauen, aus ihrer Gewalt-Ehe auszubrechen, geschweige denn, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. 

Das Buch ist wirklich gut recherchiert, der Schreibstil ist klar und verständlich. Jannes C. Cramer hat großes Talent und ich hoffe, er bleibt dabei, solche guten Thriller aufs Papier zu bringen.

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