[Rezension] Die Mitternachtsrose || Lucinda Riley



Auch in "Die Mitternachtsrose" entführt uns Lucinda Riley an gleich zwei Orte, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Wir befinden uns einmal im exotischen Indien, welches mit seinem warmen Klima und seinen exotischen Farben und Menschen im genauen Kontrast zu unserem zweiten Schauplatz, dem tristen und verregneten England, steht. Riley schafft es wieder einmal, dass man sich als Leser an den jeweiligen Ort versetzt fühlt, an dem die Geschichte gerade spielt. Man ist mitten drin im prächtigen Indien, mit seinen prunkvollen Palästen, Prinzen und Prinzessinnen und man wandelt durch Astbury Hall mit seinen großen Räumen und seinem verwinkelten, geheimnisvollen Garten.

Die Geschichte spielt sowohl im Hier und Jetzt als auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wir begleiten Ari Malik, der auf den Spuren seiner verstorbenen Urgroßmutter Anahita wandelt und so nach Astbury Hall, in das heutige England, gerät. Gemeinsam mit Rebecca, die wegen Dreharbeiten in Astbury Hall verweilt, beginnt er, die Vergangheit seiner Urgroßmutter aufzuarbeiten und bringt dabei nicht nur Erfreuliches ans Tageslicht. 

Die Vergangenheit gefällt mir in "Die Mitternachtsrose" wesentlich besser als die Gegenwart. Das liegt vor allem an den jeweiligen Charakteren. 
Anahita, die junge Inderin, die durch Zufall ins England im Jahr 1911 gerät, ist eine von Anfang bis Ende authentische Person. Die Tragik, die ihre Geschichte umgibt, zerriss mir fast das Herz. Das Schicksal hat ihr übel mitgespielt und die Entscheidung einer einzigen Person hat ihr ganzes Leben bestimmt. Dass sie trotz allem nicht ihren Kopf in den Sand gesteckt hat, sondern ihr Leben, so schwer es ihr auch fiel, selbst in die Hand genommen hat, ist umso bemerkenswerter. Sie ist ein Steh-Auf-Männchen und gibt der Geschichte die richtige Portion Hoffnung und Lebensmut.
Rebecca, unsere Protagonistin in der Gegenwart, gefiel mir am Anfang noch recht gut. Leider wurde ihr Charakter zum Ende hin immer unglaubwürdiger, was zum Teil aber auch an einem Geschehnis lag, wozu sie eigentlich nichts beigetragen hat. +Yunika . hat sie in unserer Leserunde so schön als das "Fähnlein im Wind" bezeichnet, was meiner Meinung nach auch perfekt als Bezeichnung für sie passt. Je nachdem, welche Entwicklung die Geschichte nahm, sie hat sich einfach dahingehend angepasst, wie es für sie am bequemsten war.
Die Männer der Geschichte, Donald, Anthony und Malik, haben mir eigentlich alle recht gut gefallen. Sie sind liebenswert, geprägt von ihrer Vergangenheit und ihre jeweiligen Familiengeschichten sind Teil einer schicksalhaften, bis in die Gegenwart reichenden Entscheidung einer einzelnen Person. 

Die Geschichte nimmt einige schockierende und auch überraschende Wendungen. Leider gibt es hier und da auch Vorkommnisse, die die Geschichte nicht weiterbringen, sondern eher künstlich in die Länge ziehen. Ich frage mich noch immer, was die Autorin dazu bewegt hat, diese mit in die Geschichte aufzunehmen. 
Das Ende jedoch überzeugt mich voll und ganz. Es schließt sich ein Kreis, von dem man vorher nicht wusste, das es ihn überhaupt gibt. 

Trotz aller Dramatik kommt auch hier die Liebe natürlich nicht zu kurz. Zwei fremde Kulturen und auch das Misstrauen in die jeweilige treffen hier aufeinander. Fremdenhass war auch zu Zeiten des ersten Weltkriegs schon kein Fremdwort mehr. Und doch schafft die Liebe es, diese Schranken zu durchbrechen, das Herz zu berühren und so eine wunderschöne Familiensaga entstehen zu lassen. 

Traut euch, den Geheimnissen rund um die Familie Astbury und Chavan auf die Schliche zu kommen und begebt euch zusammen mit Ari auf die Reise in das England und Indien des 20. Jahrhunderts.

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