[Rezension] Verachtung || Jussi Adler-Olsen

November 27, 2015 0 Comments A+ a-



Eine Reihe vermisster Personen aus dem Jahr 1987, die durch eine Person und deren entsetzliches Schicksal verbunden sind: Nete Hermansen. Eine junge Frau ohne jede Chance auf ein selbstbestimmtes Leben, von Menschen grausam misshandelt, wird zwangssterilisiert durch einen fanatischen Arzt und verbannt nach Sprogø, der Insel für ausgestoßene Frauen. Sie nimmt grausam Rache.

Im vierten Fall des Sonderdezernats Q um Carl Mørck, Assad und Assistentin Rose wird wieder ein alter, zu den Akten gelegter Fall ausgegraben. Beim Versuch, das rätselhafte Verschwinden einer gewissen Rita Nielesen aufzuklären, finden sich die drei im September 1987 wieder. Das kuriose: zur gleichen Zeit verschwanden mehrere Personen, bis heute unauffindbar. Ob das Verschwinden dieser Personen zusammenhängt und was die aufstrebende politische Vereinigung "Klare Grenzen" und dessen Gründer Curt Wad damit zu tun hat, das erfahrt ihr auf 560 spannungsgeladenen Seiten.

Mein letzter Fall von Carl Mørck liegt schon eine Weile zurück. So musste ich mich zu Beginn gedanklich nochmal kurz zurückversetzen, um sämtliche Zusammenhänge, personell und inhaltlich, wieder auf den Schirm zu bekommen. Da aber gerade die Protagonisten Assad und Rose sehr einprägsame Gestalten sind, fiel mir das nicht schwer. Das Teamwork klappt fast blind, einer kann sich auf den anderen verlassen. Auch die Alleingänge dienen der Aufklärung des Falls, was Assad uns hier nur zu gut beweist. Obwohl jeder Fall in sich abgeschlossen ist, so ist es doch ratsam, die Bücher um Carl Mørck und sein Team in chronologischer Reihenfolge zu lesen, um die Entwicklung und das Zusammenwachsen der drei von Beginn an mitzuerleben.

Wir haben zu Beginn drei Handlungsstränge. Der neue Fall um Rita Nielsens Verschwinden, die Machenschaften der Partei "Klare Grenzen" sowie einzelne Einwürfe zum "Druckluftnagler-Fall", bei dem Mørck und seine beiden damaligen Kollegen bei einem Einsatz verletzt bzw. getötet wurden. Wer jetzt denkt, durcheinander zu kommen, liegt falsch. Der Autor schafft es, alle drei Ebenen geschickt zu verarbeiten, ohne das man sich als Leser überfordert fühlt. Einzig die vielen Namen könnten einen zu schaffen machen. Hier hab ich mir als Hilfestellung einfach eine Übersicht zusammengestellt, um bei Bedarf die einzelnen Zusammenhänge nochmals nach zu lesen.

Die Spannung steigert sich langsam von Kapitel zu Kapitel, wobei die Rückblenden ins Jahr 1987 an Spannung und Information zum Teil besser sind als die Gegenwart. Dabei ist es interessant zu erwähnen, dass die Handlung teilweise auf wahren Begebenheiten basiert. So gab es die benannte Insel Sprogø mit ihrer Besserungsanstalt für Frauen wirklich, inklusive der Zwangssterilisationen. Ein dunkles Kapitel der Geschichte Dänemarks, dessen Ausmaß an Grausamkeit man sich gar nicht vorstellen möchte.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Adler-Olsen mit "Verachtung" wieder einmal ein fesselnder, spannungsgeladener Thriller gelungen ist, der gerade zum Schluss hin so manche Überraschung bereithält und den Leser, ob der realistischen Tatsachen, leicht geschockt zurücklässt.