[Random] Buchblogger in der Kritik

Februar 17, 2016 0 Comments A+ a-




Ganz nach dem Motto „getroffene Hunde bellen“ möchte ich mich, wie andere vor mir, zu dem Artikel „Dieses Buch wird ihr Leben verändern“ von Ana Maria Michel äußern. Dieser Beitrag ging letzten Donnerstag wie ein Lauffeuer durch sämtliche Online-Plattformen und löste erneut eine Welle der Empörung in den Buchblogger-Kreisen aus. Ich habe mir nun auch mal die Zeit genommen, besagten Artikel zu lesen und habe mir meine Gedanken dazu gemacht, die ich euch nicht vorenthalten will.

Dass, was Frau Michel in ihrem Versuch, uns Buchblogger zu beschreiben, mitteilen möchte, ist für die Buchbloggerszene nichts Neues. Seit einiger Zeit stehen wir in der Kritik, Bücher aus dem Bauch heraus zu bewerten, oder nach dem Cover zu beurteilen, ob ein Buch gelungen ist oder nicht. Der Schreibstil interessiere uns schon mal gar nicht und mit dem alt vertrauten Feuilleton hat das alles schon mal rein gar nichts zu tun. Und sowieso lesen wir nur die Bücher, die uns interessieren.

Ist da wirklich was dran?



Nacherzählung oder Auseinandersetzung?

Sicher ist es so, dass gerade in geschriebenen Rezensionen erst einmal rückblickend auf den Inhalt des Buches eingegangen wird. Klappentexte verraten entweder zu wenig, um sich einen guten ersten Einblick zu verschaffen oder zu viel, sodass man sich selbst den Inhalt oder einen Teil dessen vorwegnimmt. Die Kunst ist es, eine gute und wenn möglich spoilerfreie Zusammenfassung aufs Papier zu bringen. Und meiner Meinung nach setzt man sich dabei schon sehr genau mit dem Buch auseinander. Ich selbst befürworte die Betrachtung des Schreibstils, finde es aber nicht ausschlaggebend dafür, ob eine Rezension gelungen ist oder nicht.

Korrekt ist, dass ich nur das lese, was mir gefällt. Denn Lesen ist für mich ein Hobby, wie es für andere das Fußball- oder Klavierspielen ist. Die wenigsten Menschen vertreiben sich ihre Freizeit mit Dingen, die ihnen keinen Spaß machen, oder?


Ich, ich, ich?

Ein Buchblog ist für mich eine andere/moderne Form des Tagebuchs. In solch einem werden Ereignisse, die einem wichtig sind und die man schriftlich festhalten möchte, aufbewahrt. Mir ist es wichtig, meine Erfahrungen und Erlebnisse rund um die Buchwelt niederzuschreiben und mit euch zu teilen. Und da ist es mein gutes Recht, aus der Ich-Perspektive zu schreiben. Denn wie Frau Michel schon richtig festgestellt hat „Es wird viel "ich" gesagt, denn es geht schließlich um die ganz persönlichen Eindrücke und Gefühle“.

Im Gegensatz zu ihren Ausführungen scheue ich mich ganz und gar nicht vor dicken Schinken und auch verschiedene Zeitebenen reizen mich eher, als dass sie mich abschrecken. Beispielhaft dafür sind unsere Leserunden zu den Büchern von Lucinda Riley, in denen selten nur ein Zeitstrang betrachtet wird.


Kein Ersatz für Feuilleton?

Korrekt, denn das wollen wir auch gar nicht sein. Wir sind keine Konkurrenz zum Feuilleton und ich glaub auch nicht, dass wir von Feuilletonisten als solche betrachtet werden. Buchblogger wollen keinem etwas Böses, sondern einfach nur ihre Leidenschaft mit anderen teilen. Es ist kein Beruf, sondern ein Hobby. Wir tun das aus Spaß und nicht, weil wir damit unseren Lebensunterhalt verdienen müssen oder wollen.


Gewinnspiel und heißer Kakao?

Über diesen Abschnitt musste ich doch etwas schmunzeln. Ich kann nichts verwerfliches daran finden, wenn Verlage auf den Buchmessen oder abseits davon, Buchbloggern eine Plattform bieten, sich gegenseitig und im gleichen Zug die Verlagsmitarbeiter kennen zu lernen. Meist ist man sich lediglich durch das geschriebene Wort im WWW bekannt und diese Veranstaltungen sind die beste Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen. Und wenn es dazu noch leckeren Kakao gibt, umso besser :)


Fazit

Fakt ist, wer solche Artikel schreibt, setzt sich mit uns Buchbloggern auseinander und bringt uns ins Gespräch, immer wieder. Also entweder werden wir als störend empfunden und wir sollen dadurch eingeschüchtert werden. Oder, wovon ich eher ausgehe, wir werden heimlich beneidet. Weil wir einfach das machen, wozu wir Spaß haben, ohne Druck, ohne Zwang. Wir reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist, einfach deshalb, weil wir es können.

Patrizia von Maaraavillosa hatte im letzten Jahr zur #wirbloggenbücher-Aktion aufgerufen. Dort gab es eine ganze Menge Buchblogs zu entdecken, die sich dort vorstellten und mit eigenen Worten erklärten, was "buchbloggen" für sie heißt. Wer nicht dabei war, darf sich gerne besagte Beiträge durchlesen, stöbern und dabei den ein oder anderen neuen Blog für sich entdecken. Und schnell wird klar, dass wir Buchblogger viel nettere Menschen sind, als wir im Artikel von Ana Maria Michel dargestellt werden.

In diesem Sinne