[Rezension] Erwartung || Jussi Adler-Olsen



Marco ist fünfzehn und hasst sein Leben in einem Clan, dessen Mitglieder von ihrem gewalttätigen und zynischen Anführer Zola in die Kriminalität gezwungen werden. Als er sein Sklavendasein nicht mehr aushält und flieht, stößt er ganz in der Nähe von Zolas Wohnsitz auf eine Männerleiche …

Die Suche nach dem Mörder führt Carl, Assad, Rose und Gordon, den Neuen im Sonderdezernat Q, tief hinein in das Netzwerk der Kopenhagener Unterwelt, in den Sumpf von Korruption und schweren Verbrechen in Politik und Finanzwelt- und sie zieht Kreise bis in den afrikanischen Dschungel.

Der 5. Fall des Sonderdezernats Q beginnt mit einem Prolog, der vorerst für leichte Verwirrung sorgt. Wir befinden uns in Afrika statt wie gewohnt in Dänemark. Dieser untypische Beginn bleibt aber nicht lange kryptisch, sondern klärt sich, zumindest teilweise, schon recht früh auf. 

Relativ zu Anfang lernen wir Marco kennen, der aus den tyrannischen Fängen seines Onkels Zola zu fliehen versucht. Er muss schnell feststellen, dass Zolas Netzwerk ein sehr großes ist und von ihm zu entkommen, ein schwieriges Unterfangen. So beginnt seine lange und verzweifelte Flucht vor Zola, seinen Helfern und weiteren Personen, die Marco in die Hände bekommen wollen. 

Unser 3-köpfiges Ermittlerteam Carl, Assad und Rose bekommen Zuwachs von Gordon, ein Jurastudent im Praxissemester. Wie er aufgenommen wird und ob er eine Zukunft in Carls Team hat, erfahrt ihr im Buch :) 
Leider kommen mir bei diesem Fall alle drei ein wenig zu kurz weg. Einzig Assads leicht schräge Art kommt wieder in vollen Zügen zur Geltung. Und sein Talent, Sprichwörter zu verdrehen, bleibt uns auch nicht vorenthalten.

»Man wirft doch keinen Drachen in die Luft, wenn kein Wind weht.« Carl schüttelte den Kopf. Manchmal wünschte er sich, bei dem Mann würden Untertitel eingeblendet.

Ansonsten steht unser Team eher im Hintergrund. Der Fall wird zum Selbstläufer und macht die polizeilichen Ermittlungen fast unnötig. 

Die Themen, die Adler-Olsen in diesem Buch aufgreift reichen von Korruption, über Wirtschaftskriminalität bis zu Veruntreuung von Firmengeldern. Erschreckend, wie tief diese Machenschaften gehen, wie weit die kriminellen Netzwerke verknüpft sind. 

Trotz der zahlreichen Erzählstränge, die Adler-Olsen in dieser Geschichte aufnimmt, hat jeder einzelne seine Längen. Marcos Flucht erstreckt sich über mehrere Kapitel und scheint schier unendlich. Das hemmt das Lesevergnügen ungemein.

Die ausgedehnte Geschichte um Marco hat zur Folge, dass das weitere Kennenlernen von Assads Vergangenheit sowie die weitere Aufklärung des Amager-Falls auf der Strecke bleiben. Dabei wurde im vorherigen Fall solch eine Neugier aufgebaut, die in diesem Buch völlig übergangen wird.

Alles in allem führt dazu, dass "Erwartung" meinen Erwartungen nicht standhielt und ein eher mittelmäßiger Krimi dabei heraus kam.

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