[Rezension] Violett ohne Ende || Judith Hüller

Februar 08, 2016 0 Comments A+ a-



Zwei Frauen wie Feuer und Dynamit! Vor der Kamera mimen die ungleichen Schauspielerinnen Jule und Ewa ein Liebespaar in der angesagten TV-Soap „Liebes Leben“. Doch bald wird aus gespielter Zuneigung echtes Herzklopfen – dabei stehen die beiden privat doch eigentlich auf Männer. Was als unverbindliches Experiment beginnt, wird zum Wechselbad der Gefühle auf einem turbulenten Roadtrip quer durch Hamburg, der ihr bisheriges Leben für immer verändert.

Im Rahmen einer Blogtour zu Judith Hüllers "Violett"-Reihe landete dieses E-Book auf meinem Reader. Dem Klappentext nach zu urteilen versprach es ein spritziges und witziges Lesevergnügen zu werden, welches kreuz und quer durch Hamburg führte. 
Leider war dem nicht so. Gute Ansätze gab es durchaus. Vernichtet wurden diese durch einen wirklich sehr verwirrenden, anstrengenden Schreibstil aus der Sicht von Jule. Man hatte als Leser das Gefühl, im Kopf eines überdrehten Eichhörnchens zu sein, statt in dem einer 30-jährigen Frau. Ihre Gedanken springen genauso schnell hin und her, wie ihre Gefühle. Ihre Ausdrucksweise ist unmöglich, unhöflich und oftmals vulgär. Ihr ständiges "Fresse" und "Fräulein" sowie ihre gedanklichen und verbalen Ausraster erschweren einen flüssigen Lesefluss und lassen am Verstand der jungen Dame zweifeln. Ihr zur Seite steht die eher passive Ewa, die man sich schwer als gestandene Schauspielerin vorstellen kann, so naiv sie teilweise daherkommt. Bei der nüchternen und wenig gefühlvollen Atmosphäre im Buch, kann man sich die aufkeimende Liebe der beiden Mädels nur schwer vorstellen. 

Ein passenderer Titel wäre meiner Meinung nach "Violett - Das Warten auf das erste Mal" gewesen. Denn um nichts anderes geht es hier. Von Beginn an dreht sich alles darum, wann, wo und wie Jule und Ewa es endlich ins Bett schaffen.  Der im Klappentext angesprochene "Roadtrip" entpuppt sich als unorganisiertes Gerenne durch Hamburg und dient wohl nur dazu, Ewas polnische Sippe, mit sämtlichen Klischees ausgestattet, irgendwie in das Geschehen einzubringen. Dabei werden alle Touristenattraktionen abgeklappert, das "echte" Hamburg bleibt uns dabei leider verborgen.

Ich könnte mich noch zeilenweise auslassen, doch irgendwo muss auch mal Schluss sein. Alles in allem ein eher unterirdisches Buch, welches vor Klischees und Vorurteilen strotzt. Die Handlung hat weder Hand noch Fuß, die Charaktere sind unsympathisch und bleiben uns eher unbekannt. Es scheint, als hätte die Autorin alle Ideen in ihrem Kopf zu Papier gebracht und vergessen nochmal drüber zu schauen, ehe sie es veröffentlicht. Schade, denn das Thema des Buches war für mich mal was Neues und durchaus interessant. Der einzige Grund, warum bei der Bewertung noch 2 Wölkchen zustande gekommen sind.