[Rezension] Im Spiegel ferner Tage || Kate Riordan

März 29, 2016 0 Comments A+ a-



London, 1932. Als die 21-jährige Alice ungewollt schwanger wird, schickt ihre Mutter sie auf ein Gut im malerischen Gloucestershire, um den Namen der Familie zu schützen. Fasziniert von dem verwunschenen Anwesen erwacht Alices Neugierde, und sie erfährt von dem tragischen Los der einstigen Gutsherrin Elizabeth. Das Geheimnis um die schöne Frau berührt sie auf eigentümliche Weise, und Alice begibt sich auf Spurensuche. Sie entdeckt eine große Liebesgeschichte - und einen schlimmen Verrat.

Das erste Mal ist mir dieses Buch wegen dem wunderschönen Cover aufgefallen. Spätestens aber nach dem Überfliegen des Klappentextes hatte es mich dann komplett neugierig gemacht. So durfte das Buch bereits im Dezember einziehen und ich ärgere mich, dass es so lange warten musste, bis es gelesen wurde. 

"Im Spiegel ferner Tage" ist genau das richtige Buch für Fans von Familiengeschichten inklusive dunklem Geheimnis aus der Vergangenheit. Kate Riordan erzählt die Geschichte der jungen Alice, die im Jahr 1932 schwanger und allein auf das geheimnisvolle Familienanwesen Fiercombe Manor in Gloucestershire geschickt wird. Im zweiten Erzählstrang lernen wir Elizabeth kennen, die um 1900 auf eben diesem Gut gelebt hat und zu dieser Zeit ebenfalls schwanger war. Alice wird nach und nach bewusst, dass sie mit besagter Elizabeth vieles gemeinsam hat und verliert sich immer mehr in ihrer dramatischen Geschichte. Ist es Zufall oder wiederholen sich durch Alice' Anwesenheit die Ereignisse von damals? 

Oft ist es ja so, dass man als Leser einen Handlungsstrang lieber mag als den/die anderen. Hier jedoch ist es sehr ausgeglichen. Ich mochte sowohl Alice und ihre Geschichte als auch das schicksalhafte Leben von Elizabeth im Jahr 1898. Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass die Geschichte sich in die Länge zieht, auf der Stelle tritt oder mich in irgend einer anderen Form langweilt. Ich fühlte mich durchweg gut unterhalten. 
Das Augenmerk liegt ganz klar auf den beiden Protagonistinnen und deren Schicksal. Unterstützt werden beide durch die Hausdame Edith, die schon zu Elizabeths Zeiten auf Fiercombe Manor gearbeitet hat. Vom Anwesen selbst geht teilweise eine unheimliche, fast schon gruselige Atmosphäre aus. An manchen Stellen wollte auch ich mich unter meiner Decke verstecken. 
Die Autorin beschreibt das Leben schwangerer Frauen aus beiden Zeitebenen sehr anschaulich und authentisch. Alleinerziehende Frauen wie Alice beschmutzen die Familienehre. Elizabeth, die an einer postnatalen Depression litt, erklärte man damals für verrückt. Beides Dinge, die in der heutigen Zeit nicht mehr zu einer Ausgrenzung führen würden. 

Kate Riordan hat einen angenehmen Schreibstil, dem man zu jeder Tages- oder Nachtzeit gut folgen kann. Während meiner gesamten Lesezeit habe ich mich nach England in das verlassene Tal von Gloucestershire versetzt gefühlt. Ich konnte sowohl die Frühlingswärme als auch den Sommerregen auf meiner Haut spüren, habe die Blumen gerochen und den Bach plätschern gehört. Für mich ein absolutes Wohlfühlbuch, in welches man sich komplett verlieren kann. 

Ein klitzekleines Manko ist für mich die Liebesgeschichte von Alice. Da hätte ich mir einfach noch ein bisschen mehr gewünscht. Aber immerhin bleibt Platz für Spekulationen bzw. die eigene Kreativität. 

Wer also auf der Suche nach einem Buch ist, welches euch mit in eine andere Zeit nimmt, gut unterhält und von schicksalhaften Familiengeschichten erzählt, ist mit "Im Spiegel ferner Tage" von Kate Riordan sehr gut bedient.

Ich danke dem Heyneverlag sowie dem Bloggerportal für die Bereitstellung dieses wunderbaren Rezensionsexemplars.