[Rezension] Rückkehr nach Somerton Court || Leila Rasheed



Im Jahre 1912 kehrt die Familie Averley - Lord Westlake und seine beiden Töchter - aus einem luxuriösen Leben in Indien auf ihr herrschaftliches Anwesen Somerton Court in England zurück. Während sich die Dienerschaft hastig auf die Ankunft der Herrschaft vorbereitet, trifft eine schockierende Nachricht ein: Lord Westlake wird auch seine neue Verlobte und ihre drei Kinder mitbringen. Doch nicht nur das sorgt für große Unruhe. Es gibt Gerüchte, Lord Westlake sei wegen eines schrecklichen Skandals aus den Diensten als Gouverneur in Bengalen entlassen worden und schon bald wird offenbar, dass es auch finanziell nicht gut um die Familie bestellt ist. All das sorgt für große Spannungen sowohl bei der Herrschaft als auch der Dienerschaft. Lady Ada, Lord Westlakes Tochter, sieht sich gezwungen, zwischen ihrem eigenen Glück und der Familienehre zu wählen, Sebastian muss sich gegen Erpressungen durch einen früheren Diener – und Liebhaber – zur Wehr setzen und das liebenswürdige Hausmädchen Rose gerät in einen Skandal, der die Macht haben könnte, das Ansehen der Averleys für immer zu ruinieren. 

Gemeinsam mit den Leserunden-Ladies habe ich mich in die adelige, englische Welt des vergangenen Jahrhunderts begeben. Wir tauchten ein in eine Welt von aufkommender Emanzipation und dem Festhalten bewährter Konventionen.

Leila Rasheed überfällt uns mit einer schier unendlich wirkenden Menge an Charakteren, deren Geschichten sich das ein oder andere mal kreuzen, sich lediglich streifen oder nebeneinander herlaufen. Die Erzählweise wechselt zwischen den gut situierten Lords und Ladies und deren Dienerschaft. Dadurch bekommen wir in beide Welten einen guten Einblick und eine Ahnung, wie es damals so gewesen ist. 
Mehr Schein als Sein ist das Hauptthema des Buches. Intrigen lauern an allen Ecken, unerwiderte Liebe steht an der Tagesordnung, uneheliche Kinder und auch Homosexualität sind starke Themen in Somerton Court. 

Gerade zwei Personen sind mir positiv in Erinnerung geblieben. Lady Ada, die kurz vor der Einführung in die Gesellschaft steht, sehnt sich nach Bildung, möchte studieren und verliebt sich ausgerechnet in einen Inder. Zu der damaligen Zeit entsprachen all diese Dinge nicht der Regel und waren geradezu verpönt. Ich bin jedoch sicher, dass Lady Ada ihren Weg gehen wird, die Grundsteine dazu legt sie in diesem ersten Teil der Reihe. 

Rose Cliffe, Hausmädchen auf Somerton Court, kommt einem Geheimnis auf die Spur, welches ihr ganzes Leben umkrempelt. Sie ist das stille Mäuschen, welches perfekt in ihrer Rolle als Dienstmädchen lebt. Sie ist zufrieden mit ihrem Leben und kann mit der gravierenden Änderung vorerst nur schwer leben. Dennoch kommt sie als starke Persönlichkeit rüber, die sich nicht unterkriegen lässt und sicherlich ihren Weg geht, auch wenn ihr hier und da Steine in den Weg gelegt werden.

Locker leicht fliegen die Seiten dieses Auftaktbandes nur so dahin, das Netz aus Intrigen spinnt sich unaufhörlich weiter und die Autorin entlässt uns mit einem kleinen Cliffhänger. Die Welt der Adligen und gut Situierten ist nicht immer heiter und sonnig, sondern ist gespickt mit Beschränkungen und Konventionen. 

Fans von Downton Abbey kommen hier voll auf ihre Kosten, Romantikfans bleiben hier aber auch nicht auf der Strecke und dürfen sich zwischen all den Intrigen auch auf Liebe und Freundschaft freuen. 

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