[Rezension] Fünf am Meer || Emma Sternberg

Es zieht Linn den Boden unter den Füßen weg, als sie ihren Verlobten in flagranti erwischt. Aber dann erfährt sie, dass sie geerbt hat – und findet sich in einem Haus in den Hamptons wieder, direkt am Meer. Die Bewohner, fünf lebenslustige Senioren, wachsen Linn bald ans Herz, genauso wie die gemeinsamen Granatapfel-Manhattans und die Storys über ihre glamouröse Tante Dorothy. Doch dann taucht dieser attraktive Journalist auf, der noch ein bisschen mehr zu wissen scheint.

Wer verspürt bei diesem hübschen Cover nicht den Wunsch, die Geschichte, die dahinter steckt, zu erfahren? „Fünf am Meer“ ist erstmal nicht sehr aussagekräftig, doch liest man sich den Klappentext durch, so erklärt sich der Titel recht schnell. Bis wir doch soweit sind und die 5 am Meer kennenlernen, begegnen wir erst einmal unserer Protagonistin Lin und zwar in ihrer Heimat München. Dort arbeitet sie im Reisebüro ihrer Schwiegereltern in spe. Wegen eines Serverausfalls verlässt sie eines Tages das Reisebüro vor dem eigentlichen Ladenschluss und erwischt ihren Freund und ihre neue Arbeitskollegin in flagranti auf dem Sofa ihrer gemeinsamen Wohnung. Hals über Kopf wirft sie die beiden raus. Verletzt und traurig steht Lin vor dem Scherbenhaufen ihres Lebens. Wie aus dem nichts ergibt sich jedoch die Möglichkeit, in die USA zu reisen, um ein vermeintliches Erbe ihrer Tante zweiten Grades anzutreten. Lin sagt sofort zu und reist noch am gleichen Tag ab. Wie sich das eigentliche Abenteuer in Amerika dann abspielt, das möchte ich hier nicht weiter erläutern.

Für den Verlauf der Geschichte hätte es dieses Vorgeplänkel in München nicht unbedingt geben müssen. Wir erfahren hier einiges über Lin, was man aber auch an anderen Stellen der Geschichte hätte unterbringen können. Bis zum Zeitpunkt, als sie tatsächlich in den USA eintrifft und erfährt, was genau sie geerbt hat, war ich doch etwas gelangweilt von der bisherigen Story. Ich wollte dem ganzen dennoch die Chance geben, sich zu entwickeln. Trotz der gekürzten Fassung des Hörbuches, verstrickt sich die Autorin dann doch immer öfter in unwichtigen Einzelheiten und zu detaillierten Beschreibungen, an Spannung fehlte es gänzlich. Das Zuhören war dadurch sehr langatmig und ich bin hin und wieder abgeschweift ohne nachher zu denken, etwas Wesentliches verpasst zu haben. Das ist für mich ein No-Go bei Hörbüchern.

Ab gut der Hälfte der Hörzeit kam etwas Schwung in die Geschichte. Wurden die Szenen zu Beginn sehr in die Länge gezogen, so rasten wir nun teilweise, als ob man die Zeit, die man am Anfang für Unwichtiges verschwendet hat, mit aller Gewalt aufholen wollte. Mit unserer Protagonistin Linn wurde ich das gesamte Buch über nicht warm. Für mich war sie wie ein Fähnlein im Wind. Sie passte sich mit ihrer Meinung und ihrem Verhalten immer den ihr vorliegenden Situationen an. Sie ist sehr sprunghaft und wirkt dadurch teilweise unglaubwürdig. Von ihrem Liebeskummer, der sie unter anderem aus Deutschland weggeführt hat, ist in Amerika zu keiner Zeit etwas zu merken.

Ein großer Pluspunkt hingegen ist das Setting der Geschichte. Wir befinden uns in dem Hamptons, direkt am Meer, in einem wunderschönen Haus direkt am Strand. Hier war ich dankbar für die spezifischen Beschreibungen, denn so bekam ich einen guten Eindruck der Umgebung und ihrer Schönheit. Das, und die 5 Bewohner des Strandhauses haben es geschafft, das ich das Hörbuch nicht mittendrin abgebrochen habe. Jeder für sich ist ein Unikat und doch verbindet sie alle eine wesentliche Eigenschaft. Ich hätte mir gewünscht, dass das Augenmerk mehr auf diese außergewöhnlichen Bewohner und ihre Geschichten gelenkt worden wäre. Schade.

Von „Fünf am Meer“ habe ich mir eine locker leichte Sommerlektüre erhofft und wurde stattdessen mit zu vielen Einzelheiten erschlagen. Das Setting und die „Fünf“ halten die Geschichte über Wasser, die Protagonistin und die Entwicklung des Buches enttäuschen leider auf ganzer Linie.

Ein großes Lob vergebe ich an die Sprecherin Britta Steffenhagen, die jedem Charakter seine individuelle Stimme verliehen hat. In dieser Hinsicht hat das Zuhören wirklich Spaß gemacht.

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