[Rezension] Totenfang || Simon Beckett

Oktober 31, 2016 0 Comments A+ a-



Inhalt


Hunter is back!
Sein fünfter Fall führt Dr. David Hunter in die Backwaters, ein unwirtliches Mündungsgebiet in Essex, wo die Grenzen zwischen Land und Wasser verschwimmen. Aber die wahren Gefahren lauern nicht in der Tiefe, sondern dort, wo er sie am wenigsten erwartet.
Seit über einem Monat ist der 31-jährige Leo Villiers spurlos verschwunden. Als an einer Flussmündung zwischen Seetang und Schlamm eine stark verweste Männerleiche gefunden wird, geht die Polizei davon aus, Leo gefunden zu haben. Der Spross der einflussreichsten Familie der Gegend soll eine Affäre mit einer verheirateten Frau gehabt haben, die ebenfalls als vermisst gilt: Leo steht im Verdacht, Emma Darby und schließlich sich selbst umgebracht zu haben. Doch David Hunter kommen Zweifel an der Identität des Toten. Denn tags darauf treibt ein einzelner Fuß im Wasser, und der gehört definitiv zu einer anderen Leiche. 
Für die Zeit seines Aufenthalts kommt David Hunter in einem abgeschiedenen Bootshaus unter. Es gehört Andrew Trask, dessen Familie ihm mit unverholener Feindseligkeit begegnet. Aber sie scheinen nicht die einzigen im Ort zu sein, die etwas zu verbergen haben. Und noch ehe der forensische Anthropologe das Rätsel um den unbekannten Toten lösen kann, fordert die erbarmungslose Wasserlandschaft erneut ihren Tribut. (Quelle: RoRoRo)


Meine Meinung


Jaa, Hunter is back - und wie!!! Das lange warten auf einen neuen "Hunter" hat endlich ein Ende und vorweg: ich wurde nicht enttäuscht.

Der Name "Totenfang" ist hier Programm, denn es bleibt beileibe nicht bei einer Leiche, so viel schon mal vorab. Das zentrale Element der Geschichte ist "Wasser". Dr. Hunter zelebriert hier mit all seiner Liebe zur Forensik das Auseinandernehmen von Wasserleichen. Sehr anschaulich und verständlich erklärt er uns den Unterschied zu "normalen" Leichen, die Besonderheiten, die zu beachten sind und vor allem, vor welche Schwierigkeiten ihn dieses zerstörende Element Wasser stellt. Und genau das ist es, was ich an den Büchern von Simon Beckett so sehr mag. Wir Forensik-Laien bekommen diese Vorgänge in der Pathologie genauestens erklärt, für alle die, die das interessiert wirklich eine Freude.

Die Handlung spielt abermals in England, genauer in den Backwaters in der Gegend um Essex. Simon Beckett hält mit seinen Veranschaulichungen auch hier nicht hinterm Berg. Der Nebel, der über dem Fluß wabert und das Rauschen der steigenden Flut sind allgegenwärtig. Vor allem als Hörer konnte ich mir die Handlungsorte wirklich sehr gut bildhaft vorstellen.

Die Geschichte ist sehr komplex und mit etwas mehr als 15 Stunden Hörzeit ein super Zeitvertreib bei der Hausarbeit. Der Spannungsbogen büßt zwar im Mittelteil etwas an Stärke ein, fängt sich aber recht schnell wieder. Der Kreis der Verdächtigen wechselt so stet, wie Ebbe und Flut. Der Autor baut derart viele Wendungen und Überraschungen ein, sodass von Vorhersehbarkeit hier keine Rede sein kann.

Schön zu sehen ist auch, dass David Hunter langsam wieder zu seiner alten Form zurückfindet. Der Vorfall am Ende des vorherigen Teils hat ihn doch schwer getroffen und nun muss er sich nicht nur davon erholen, sondern muss zudem noch um seinen guten Ruf in der Anthropologen-Branche bangen. Auch ist er imstande, wieder Gefühle zuzulassen. Schön zu sehen, wie unser Held wieder genesen ist und hoffentlich noch viele viele Fälle zu lösen hat.

Der Schreibstil, soweit ich das vom Hörbuch her beurteilen kann, ist trotz der langen Pause ebenso fesselnd wie bei den Vorgänger-Bänden. Johannes Steck macht als Sprecher einen super Job. Er gibt Hunter eine Stimme und macht ihn dadurch sehr real. Auch die anderen Stimmen sind ihm super gelungen, sodass man sie am Ende sogar ohne die zugehörige Namensnennung erkannt hat. 

Fazit


Alles in allem hat sich das schier unendliche Warten wirklich gelohnt. "Totenfang" ist spannend, überraschend, skuril und noch genauso interessant, wie wir es von der Hunter-Reihe gewohnt sind. Meiner Meinung nach sind Vorkenntnisse nicht notwendig, das Buch kann als eigenständiger Teil gelesen werden. Und lieber Simon Beckett, ich hoffe, wir dürfen uns bald auf weitere Fälle mit unserem Lieblings-Anthropologen freuen.