[Rezension] Das Mädchen aus St. Petersburg || Nina Serova



Inhalt


Bälle, Opernbesuche und festliche Empfänge: Die junge Studentin Marie genießt ihr Leben in St. Petersburg in vollen Zügen. Bis der Erste Weltkrieg ausbricht und ihr unbeschwertes Dasein ein jähes Ende findet. Marie meldet sich freiwillig als Krankenschwester und begegnet kurz darauf Alexei, einem gestandenen Offizier. Beide sind auf Anhieb fasziniert voneinander, doch Alexei ist verheiratet und Marie einem anderen versprochen. Während die Welt um sie herum aus den Fugen gerät, kämpfen Marie und Alexei für ihre Liebe.(Quelle: BasteiLübbe)


Meine Meinung


Mit diesem Buch ging meine literarische Reise das erste Mal nach Russland. Aus welchen Gründen auch immer, habe ich dieses Land als Setting bisher gemieden. Nach Beenden dieses Buches kann ich aber sagen, dass es nicht meine letzte Reise dorthin war. Meine Wunschliste ist bereits gefüllt mit Büchern über Russland, vor allem zur Zeit der Zaren.

In "Das Mädchen aus St. Petersburg" habe ich mich von Anfang an sehr wohl gefühlt. Wir lernen gleich zu Beginn Marie und ihre Familie kennen, die eigentlich in Narva (Estland) zuhause sind, aber dennoch hin und wieder das gesellschaftliche Leben in St. Petersburg genießen. Marie gefällt es sogar so gut, dass sie für ihr Jura-Studium zu ihrer Cousine nach St. Petersburg zieht. Doch anstatt dieses genießen und vollkommen ausschöpfen zu können, muss Marie den Ausbruch des Ersten Weltkriegs miterleben. Er ist geprägt von Abschieden und Verlusten. Als der Offizier Alexei in ihr Leben tritt, scheint der Krieg für kurze Zeit zur Nebensache zu werden, bis dieser die beiden wieder auseinanderreißt.

Nina Serova bereitet uns mit ihrem fast 500 Seiten langen Buch wahre Geschichtsstunden. Wir befinden uns mit Nikolai, Maries Bruder, direkt an der Front. Mit Alexei erfahren wir, wie höher gestellte Offiziere den Krieg erlebt haben. Und mit Marie, die als Krankenschwester in einem Lazarettzug aushilft, bekommen wir einen Einblick in die Versorgung der Verletzten.

Und während in ganz Europa Krieg herrscht, entpuppt sich rund um St. Petersburg, oder Petrograd, wie es zu dieser Zeit hieß, eine Revolution, die zur Absetzung des Zaren führt. Als hätte der Krieg das Land nicht bereits genug geschwächt, bekämpfen sich die Russen nun sogar untereinander in ihrem eigenen Land.

Bei all dem Kriegsgeschehen, geht die Geschichte zwischen Marie und Alexei auf halber Strecke etwas verloren. Allerdings muss ich gestehen, dass der erste Kuss der beiden als mein Jahreshighlight 2016 gilt. An dieser Stelle hatten mich die Gefühle, die die beiden füreinander hegen, vollkommen erwischt. Ich könnte euch die Stelle jetzt zitieren, aber ohne den entsprechenden Rahmen, würden diese Emotionen nicht richtig zur Geltung kommen.

Die Autorin schreibt sehr realitätsnah, was den Schrecken der Zeit sehr gut transportiert. Als Leser ist man gefangen im Krieg, als wäre man direkt beteiligt. Wieder einmal schätze ich es sehr, wie gut es uns geht, ein Leben ohne Gewalt und Schreckensherrschaft führen zu können. Unsere kleinen Probleme verblassen hinter all dem Negativen, was die Menschen zu dieser Zeit durchmachen mussten. Nina Serova gelingt es glaubwürdig, gut recherchierte, historische Fakten mit einem Teil ihrer Familiengeschichte zu vereinen.


Fazit


Auch wenn das Buch andere Erwartungen geschürt hat, so konnte es mich doch begeistern. Russland ist ein ganz faszinierendes, abwechslungsreiches Land, von dem ich jetzt noch mehr erfahren möchte. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der mehr aus der Zeit des Ersten Weltkriegs aus Russlands Sicht erfahren möchte und Geschichten aus mehreren Erzählperspektiven nicht abgeneigt ist. 

1 Kommentar

  1. Liebe Janine,
    eine sehr schöne Rezi hast du geschrieben und deine Gefühle beim Lesen sehr gut ausgedrückt! Hoffentlich bekommt das Buch nach unserer kleinen LR ein bisschen mehr Aufmerksamkeit!
    Liebe Grüße
    Martina

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