[Rezension] Das verlorene Medaillon || Ellen Marie Wiseman




Inhalt



Eine ergreifende Geschichte über den Sieg von Liebe und Mut über Unrecht und Gier

Angesichts des Elends, das in der Bergarbeiterstadt Coal River herrscht, ist Emma Malloy fassungslos. Selbst Waise, geht ihr besonders das Schicksal der Kinder zu Herzen, die halb verhungert und unter Lebensgefahr in den Kohlenminen schuften müssen. Gegen den Willen ihrer wohlhabenden Verwandten, bei denen Emma seit dem Tod ihrer Eltern lebt, verteilt sie heimlich Nahrungsmittel an die Ärmsten und bringt den Kindern Lesen und Schreiben bei. Eines Tages trifft sie dabei auf den Arbeiter Clayton Nash, der sie vor der Kohlekompanie warnt, denn die duldet keine Einmischung. (Quelle: Piper Verlag)


Meine Meinung


Dieses Buch stand in meiner Leseliste für 2017 ganz weit oben und ebenso gespannt war ich die Geschichte von Emma Malloy und ihrem Leben in der Bergbaustadt Coal River.
Gleich zu Beginn stimmt uns die Autorin auf die Grundstimmung dieses Buches ein - trist, traurig, von Armut und Tod überschattet. Ein roter Faden, der sich durch alle Seiten zieht. Mir hat die dauerhaft düstere Atmosphäre gut gefallen, weil sie perfekt zu der Thematik des Buches passt. Die ersten Seiten waren etwas zäh, aber nachdem ich mich an den Schreibstil gewöhnt hatte, flogen die Seiten nur so dahin.

Die Geschichte von Emma, ein Waisenkind, welches zu seiner Familie nach Coal River ziehen muss, die sie behandeln wie eine günstige Hilfskraft, wirkt nach den ersten Kapiteln sehr konstruiert. Es werden Geschehnisse und Personen eingefädelt, die für den Verlauf der Geschichte völlig unerheblich sind. Das beginnt schon beim Titel, der den Leser auf eine völlig falsche Fährte bringt. Dies ist wohl den Übersetzern bzw. den Entscheidungsträgern geschuldet, denn der Originaltitel "Coal River" passt hier einfach besser. Denn auf das verloren gegangene Medaillon wartet man hier vergeblich.

Mal abgesehen von dem flüssigen Schreibstil gibt es dennoch Abschnitte, in denen einfach nichts passiert und Abläufe einfach nur wiederholt werden. Für mich kam es des Öfteren so vor, als ob der Autorin einfach noch Seiten fehlen, um eine gewisse Seitenanzahl zu erreichen. Dies mindert die Qualität des Buches ungemein, denn die Grundthematik bietet großes Potenzial. Die Grausamkeiten, die Kinder in den Kohleminen erleben mussten, wo Verstümmelungen und Verletzungen an der Tagesordnung standen, wurden bildhaft beschrieben. Hier hätte ich mir gewünscht, dass auch die Sicht der Kinder oder eines Kindes mit einfließt, um der Dramatik dieser Ereignisse nochmal mehr Ausdruck zu verleihen. Mir wurde nicht tief genug auf das Elend und das Leid der Bergarbeiterkinder eingegangen, welche das Grundgerüst der Geschichte stellen und Emmas Antrieb sind, nach Veränderungen zu streben. Es ging hauptsächlich darum, wie Emma helfen kann. Leider ist es nicht damit getan, den Familien heimlich Lebensmittel auf die Veranda zu stellen.

Das Ende kam sehr plötzlich und war für mich etwas aus der Luft gegriffen. In unserer Leserunde fiel mehrfach der Ausdruck "Friede Freude Eierkuchen", welcher das Ende sehr gut beschreibt und gleichzeitig unglaubwürdig macht. Denn allein durch den Austausch des Inhabers der Kohleminen, verflüchtigen sich all die dort auftretenden Missstände nicht von alleine.

Fazit


Die Autorin hat meiner Meinung nach mit zu viel "Drumherum" den eigentlichen Sinn der Geschichte verfehlt. Das große Potenzial, welches das Thema "Kinderarbeit in Kohleminen" mit sich bringt, verspielt sie, indem sie eine Geschichte konstruiert hat, die zwar die düstere Atmosphäre der Stadt Coal River einfängt, aber mit Nichtigkeiten aufgebauscht wird, sodass am Ende nur ein mittelmäßiger Roman dabei herauskommt. Leider wurde meine Erwartungen hier nicht erfüllt, was mich enttäuscht zurücklässt. 

Ich bedanke mich beim Piper Verlag für das Zusenden des Rezensionsexemplars. 

Weitere Stimmen zu "Das verlorene Medaillon":

Sabine von Buchmomente
Andrea von LeseBlick
Hibi von In the prime time of life

Kommentare

  1. Kennst du "Das unsichtbare Siegel" von Rainer M. Schröder? Deine Rezension hat mich grade sehr daran erinnert. Zwar spielt es nicht in den USA sondern in einer Mine in Deutschland und etwas früher zeitlich gesehen, aber das Thema mit den unmenschlichen Arbeitsbedingungen ist genauso da. Allerdings vor dem Hintergrund, dass sich in Deutschland zu dem Zeitpunkt grade die ersten Gewerkschaften gegründet wurden. Da kommt das unsichtbare Siegel übrigens wirklich auch vor (wenn auch erst im letzten Kapitel, wenn ich mich richtig erinnere ^^)

    Ich finde es immer schade, wenn in einem Buch das Potenzial nicht genutzt wird.

    LG
    Lena

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu liebe Lena,

      dein genanntes Buch kenne ich nicht, aber nach deiner Beschreibung könnte es sich um ähnliche Dinge drehen wie im verlorenen Medaillon. Ich fand es auch sehr schade, dass die Autorin nicht mehr draus gemacht hat, aber gut, so ist es jetzt nun mal. Ich werde ihrem nächsten Buch dennoch eine Chance geben, denn abgesehen vom nicht genutzten Potenzial war der Schreibstil echt gut.

      Alles Liebe,
      Janine

      Löschen
  2. Hallo liebe Janine,
    eigentlich bin ich vorbeigekommen, weil ich in der Hoffnung war, mich mit dir über den neuen Sparks austauschen zu können, den ich nun ebenfalls ausgelesen habe. Nun bin ich hier hängengeblieben, weil ich die Rezi noch gar nicht kommentiert habe. Erstmal danke für´s Verlinken. ;-)
    Deine Enttäuschung teile ich und wünsche mir regelrecht, dass die Autorin mit ihrem neuen Buch (Die bittere Gabe - Febr.2018) uns vielleicht wieder überzeugen kann. ;-)
    Sei mir ganz lieb gegrüßt, Hibi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu liebe Hibi,

      ich werde der Autorin auf jeden Fall noch eine Chance geben, der Schreibstil von ihr hat mir ja doch gut gefallen.

      Die Rezi zum neuen Sparks steht ganz oben auf der To-Do-Liste und ich dachte, dass ich die Woche aufgrund von Urlaub alles abarbeiten kann. Naja, du siehst ja, wie das bisher geklappt hat :) Vllt klappt es ja heute Abend eine ruhige Minute zum Tippen von ein paar Zeilen zu finden. Und dann tauschen wir uns auf jeden Fall darüber aus.

      Sonnige eiskalte Grüße
      Janine

      Löschen
    2. Etwas ähnliches habe ich heute schon bei Steffi gelesen und ich bin auch eher sporadisch dabei, nur irgendetwas zu schaffen. An meine Rezi habe ich mich vorhin auch gesetzt. So ganz zufrieden bin ich nicht, was wohl an meinem gespaltenen Lesegefühl liegt.
      Liebste Grüße, Hibi

      Löschen