[Rezension] Vermählung || Curtis Sittenfeld




Inhalt



Mrs. Bennets Leben dreht sich nur um das Eine: Wie kann sie es bloß schaffen, dass ihre Töchter endlich den Richtigen finden? Zumindest für Jane, die Älteste, gibt es Hoffnung: Chip Bingley, der attraktive Arzt, der noch vor Kurzem als Bachelor in der Fernsehshow „Vermählung“ vergeblich nach der großen Liebe suchte, zieht in die Kleinstadt. Und gleich beim ersten Zusammentreffen knistert es zwischen Chip und Jane. Doch was ist mit Liz Bennet? Chips Freund, der ungehobelte Neurochirurg Fitzwilliam Darcy ist definitiv keine Option! Dennoch scheinen die beiden nicht voneinander lassen zu können. (Quelle: Harper Collins)

Meine Meinung


Mit "Vermählung" hat Curtis Sittenfeld eine sehr gelungene Adaption zu Jane Austens "Stolz und Vorurteil" geschaffen. Wir befinden uns im Jahr 2013 statt um 1900, was der zeitlosen Aktualität des Romas keinerlei Abbruch tut. Die Autorin transferiert das Original fast eins zu eins in unsere heutige Zeit und ergänzt es um humorvolle und kuriose Szenen.

Stolz und Vorurteil ist eines meiner liebsten Bücher und ich musste schnell feststellen, dass auch die Lieblinge bzw. die Charaktere, die mich schon im Original zur Weißglut trieben, bei Vermählung die gleichen sind. Auch wenn ich die Vermutung habe, dass Sittenfeld vor allem Mrs. Bennet weit überzogen darstellt, so kann ich sie und ihre Einstellung zu so vielen Dingen absolut nicht gutheißen. Auch zwei der Schwestern werden als verwöhnte, unfreundliche Gören dargestellt, die sich durchs Leben schnorren und keinerlei Respekt an den Tag legen.

Da passt es gut, dass das Hauptaugenmerk auf den ältesten Schwestern Jane und Liz und deren (nicht vorhandenes) Liebesleben liegt. Sie sind zwei selbstbewusste Frauen, die sich dem gesellschaftlichen Druck im Bezug auf Heirat und Kinderkriegen nicht beugen und ihr Ding durchziehen. Auch wenn ihre Mutter an dieser Einstellung verzweifeln mag, sehen die beiden nicht ein, warum sie ihr Leben nach den Wünschen ihrer Mutter leben sollten. Eine tolle Einstellung, wie ich finde.

Auch ein Wiedersehen mit Mr. Bingley, seiner Schwester Caroline und seinem Freund Mr. Darcy ist uns vergönnt. Auch mit diesen drei haben wir eine Menge Freude, und wer das Original kennt, merkt schnell, dass die Autorin an diesen Charakteren gar nichts verändert hat. Ein großes Vergnügen, vor allem, wenn Darcy nach Gesprächen eine leichte Verbeugung macht.

Curtis Sittenfeld lässt auch aktuelle Themen wie selbstbestimmte Leben, Rassismus und alternative Lebensformen mit einfließen, die sich sehr gut in die Geschichte einfügen. Und natürlich darf bei einer Austen-Adaption die Romantik nicht fehlen. Trotz allem bleibt "Vermählung" für mich eher eine Satire auf das Original anstatt einer Neufassung. Denn ich hab mehr als einmal laut auflachen müssen, gerade bei den Dialogen zwischen Liz und Darcy.

Besonders gut hat mir die Kombination aus Altertümlichem und Neuzeitigem gefallen. Das hat sich vor allem in der Sprache und der Gestik der Charaktere wiedergespiegelt und für einige Lacher oder auch Kopfschütteln gesorgt. Das einzige, was mich an Sittenfelds Version gestört hat, war die Verbindung zu einer Reality-Show à la Bachelor. Das hatte für mich wenig Hand und Fuß und wirkte eher, als wollte die Autorin das unbedingt in irgendeiner Weise mit einbinden. Ebenso kritisch und unpassend finde ich das letzte Kapitel, welches aus der Sicht von Mary, Liz' und Janes jüngerer Schwester, erzählt wird. Ich möchte euch nichts vorweg nehmen, aber ich weiß weder, wie ich die Infos dieses Kapitels werten soll, noch, warum es dieses Kapitel überhaupt gibt.


Fazit


Vermählung ist eine, in meinen Augen, sehr gelungene, satirische Adaption zu Jane Austens "Stolz und Vorurteil". Sie steht dem Original in nichts nach ohne kopiert zu wirken, sprüht nur so vor Witz und Charme und ist Unterhaltung vom aller feinsten. Man muss das Original nicht zwingend kennen, ich glaube dennoch, dass das Lesen dadurch wesentlich amüsanter wird. Von daher ist Vermählung eine klare Leseempfehlung für euch.


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