[Rezension] Unsere verlorenen Herzen || Krystal Sutherland



Inhalt



Kann es mehr als eine große Liebe geben?

Der 17-jährige Henry war noch nie verliebt. Kein Herzklopfen, keine Schlaflosigkeit, keine großen Gefühle. Bis seine neue Mitschülerin Grace vor ihm steht: in schlabbrige Jungsklamotten gehüllt, mit einem kaputten Bein und einer kaputten Seele. Ihre Zerbrechlichkeit macht sie in Henrys Augen nur noch schöner. Aber Grace lässt Henry kaum an sich heran – bis sie ihn eines Tages völlig unvermittelt küsst. Henry wagt es, zu hoffen. Doch irgendein ungreifbares Geheimnis scheint zwischen ihnen zu stehen. (Quelle: Randomhouse)



Meine Meinung



Ich habe das Buch überraschend vom Verlag zugeschickt bekommen und habe es mir direkt mal vorgenommen. Das war im September. Und auch wenn das Buch gerade mal um die 380 Seiten hat, so hat es sich für mich doch sehr gezogen und ich war froh, als ich es gestern nun endlich beenden konnte.

Ein Grund, warum mein Lesefluss immer wieder stoppte, war die allgegenwärtige düstere Stimmung der Handlung. Die erste große Liebe ist das große Thema des Buches und ja, das versucht die Autorin uns Lesern auch rüberzubringen. Aber mit einer Schwere, die für ein Jugendbuch, meiner Meinung nach, viel zu abwegig ist. Unser Protgagonist Henry trifft auf eine neue Schülerin, die ihn vom ersten Moment an anzieht. Und das lediglich mit ihrer Aura, denn äußerlich kann sie vor allem durch ihren Kleidungsstil vorerst nicht punkten. Ich möchten den 17-jährigen von heute nicht unterstellen, dass sie wahre, innere Schönheit nicht erkennen können. Aber es scheint doch etwas übertrieben, dass ihnen das Erscheinungsbild völlig egal sein soll. Vor allem, wenn man sich noch überhaupt nicht kennt. Er lebt die ganze Zeit über auf einer rosaroten Wolke und versucht mit allen Mitteln, die Liebe zu und von Grace zu erzwingen. Weil sie beide, seiner Meinung nach, füreinander bestimmt sind. Grace hingegen hat mit ihren süßen 17 schon eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Sie trägt ein Päckchen aus Wut, Trauer und Verzweiflung mit sich herum und gibt sich dieser auch vollkommen hin. Für sie ist die Welt nur noch trist und sie wird erdrückt von ihren Erinnerungen und Gefühlen. Nach dem, was sie erlebt hat, kann ich das auch zum Teil verstehen. Und dennoch ist sie wie ein Fähnlein im Wind. An einem Tag ist sie himmelhochjauchzend und voller Tatendrang, am nächsten Tag spricht sie von Selbstmord. Eben jenen Stimmungsschwankungen folgt auch ihr Umgang mit Henry. Als würde sie jeden Tag mit einem Gänseblümchen "ich mag ihn, ich mag ihn nicht" spielen und sich dann je nach dem Ergebnis ihm gegenüber verhalten. 

Die Sprache und der Aufbau des Buches haben mir gut gefallen. Beides ist dem Alter des angesprochenen Lesers angepasst. Der Text wird immer wieder durch Textnachrichten zwischen den verschiedenen Charakteren unterbrochen. Das lockert die Stimmung etwas auf und zeigt einfach den Zeitgeist von heute auf. Die Thematik des Buches an sich, gefällt mir auch. Allerdings ist sie mir für ein Jugendbuch einfach ungeeignet und übertrieben. Wären die Protagonisten 10 Jahre älter, wären ihre Handlungen wesentlich nachvollziehbarer und realistischer. Wenn ich als Jugendliche von der ersten große Liebe lesen wollte, dann wollte ich nicht nur Herzschmerz, wie wir es hier hauptsächlich vorfinden, sondern auch Gänsehautmomente. Die blieben hier vollkommen aus. Mich konnten Sutherlands Worte zu keiner Zeit berühren und das finde ich bei einem Buch über die Liebe wirklich schade. 

Ich möchte nochmal betonen, dass ich nicht denke, dass die Jugendlichen von heute nicht zu tiefgründigen Gefühle im Stande sind. Es scheint mir einfach aus meiner Sicht und Erfahrung zu übertrieben, wie hier die erste große Liebe dargestellt wird. Natürlich ist nicht immer alles perfekt, aber so rabenschwarz, wie die Autorin es rüberbringt, ist es meines Erachtens auch nicht. Sie nimmt jungen Lesern eher den Glauben an die Liebe, als dass sie sie möglich macht. Denn auf die Frage vom Beginn, ob mehr als nur eine große Liebe möglich ist, sollte man mit "ja" antworten können. Denn es ist, entgegen der Handlung im Buch, auf jeden Fall möglich, der großen Liebe mehr als nur einmal im Leben zu begegnen, wenn man sich drauf einlässt.

Auch wenn mich das Buch nicht überzeugen konnte, bedanke ich mich beim cbt-Verlag für die Zusendung dieses Leseexemplars. 

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